Was ist eigentlich Ambiguitätstoleranz?
Interessanterweise beginnt Entwicklung oft nicht dort, wo Führung offensichtlich fehlt, sondern bei Menschen, die bereits sehr gut und reflektiert führen. Nicht im inszenierten Sinn von Sichtbarkeit, Performance oder Selbstvermarktung. Sondern tatsächlich gut. Sie können Spannungen lesen, Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen, Menschen durch schwierige Situationen begleiten.
Manche führen Unternehmen, manche Teams, manche komplexe Leben.
Und trotzdem fällt irgendwann ein Satz wie:
„Ich glaube, an dieser Stelle müsste ich präziser werden.“
Solche Sätze markieren oft einen interessanten Punkt.
Weniger, weil etwas offensichtlich falsch läuft. Eher, weil Wahrnehmung feiner wird.
Plötzlich reicht es nicht mehr aus, ein schwieriges Gespräch einfach als schwierig abzulegen. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich auf die Dynamik dahinter. Welche Muster wiederholen sich? Welche Rolle übernehme ich darin zuverlässig? Was entsteht zwischen Menschen, lange bevor überhaupt offen gesprochen wird?
Mit der Zeit verändert sich auch der Blick auf Kommunikation. Gute Fragen werden interessanter als schnelle Antworten. Manche Situationen verlieren ihre Eindeutigkeit. Spannung bleibt länger im Raum, ohne sofort geglättet oder erklärt werden zu müssen. Ambiguitätstoleranz klingt dabei zunächst wie ein akademischer Begriff, beschreibt in der Praxis jedoch oft einen erstaunlich konkreten Moment: nicht vorschnell einzugreifen.
Parallel dazu wächst etwas, das sich schwerer beobachten lässt – Haltung. Die eigene Art, Entscheidungen zu treffen, Konflikte einzuordnen, Verantwortung zu tragen. Weniger abhängig von Methoden, stärker verbunden mit innerer Klarheit.
Und irgendwann taucht fast automatisch eine weitere Frage auf:
„Was von dem, was ich tue, wirkt eigentlich tatsächlich?„
Nicht als Selbstkontrolle.
Eher als Form professioneller Präzision.
Vielleicht liegt genau darin die interessanteste Form von Entwicklung. Nicht in der permanenten Neuerfindung der eigenen Person, sondern in der zunehmenden Fähigkeit, genauer wahrzunehmen und womöglich sind wir tatsächlich längst besser, als wir denken.
Was nicht bedeutet, dass man an den entscheidenden Stellen nicht dennoch nachschärfen dürfte.
Am 8.6. startet die zweite Runde des Leadership Lab.
Wenn du Lust hast, nimm gern an der Umfrage und Anmeldung teil.
Für alle, die eine gewisse Freude an der eigenen Präzision haben: Selbstoptimierung




