Im letzten Blogbeitrag der Sommerreihe „Schön ruhig hier.“ ging es um das Karpman-Dreieck und um die Frage, welche Rolle wir in Konflikten manchmal einnehmen, wenn wir retten, anklagen, vermitteln, aushalten oder Verantwortung übernehmen, die längst nicht mehr klärt, sondern die Dynamik stabilisiert.
Diese Betrachtung kann an einen unangenehmen Punkt führen, denn manchmal sehen wir dabei nicht nur ein Muster, das man mit etwas gutem Willen korrigieren könnte, sondern Tatsachen, die eine weitere Zusammenarbeit ernsthaft infrage stellen: Grenzen, die zu oft verschoben wurden, Bedürfnisse, die über längere Zeit übergangen wurden, und Erwartungen, die nie ausgesprochen und trotzdem enttäuscht wurden.
In solchen Momenten beginnt Klärung oft nicht mit dem nächsten Argument, sondern mit dem, was sich schon längst gemeldet hat: einem Ziehen, einer Enge, einer Müdigkeit nach zu vielen Klärungsversuchen oder einem inneren Nein, das nicht verschwindet, nur weil alle Beteiligten sich bemühen, ruhig und sachlich zu bleiben.
Gefühle sind keine bloßen Störungen im System.
Psychologisch lässt sich unterscheiden: Eine Emotion ist zunächst eine schnelle, körpernahe Reaktion, oft verbunden mit Anspannung, Rückzug, Ärger, Angst, Traurigkeit oder einem Handlungsimpuls; ein Gefühl entsteht dort, wo diese innere Bewegung wahrgenommen, gedeutet und in Worte gebracht werden kann.
Deshalb interessiert mich im Coaching nicht nur, was jemand über einen Konflikt denkt, sondern auch, wie sich die Situation anfühlt, denn in diesem Gefühl kann sichtbar werden, was verletzt wurde, was bedroht ist, welches Bedürfnis lange keine Sprache bekommen hat und welche Bedeutung eine Sache noch hat, obwohl der Kopf längst vernünftige Sätze gefunden hat.
Vielleicht ist das einer der schwierigsten Punkte in einer Konfliktklärung: zu erkennen, dass ein gutes Ende nicht immer darin besteht, eine Zusammenarbeit zu retten, sondern manchmal darin, aufzuhören, eine alte Form künstlich zu erhalten.
Der Gedanke von William Bridges ist hier hilfreich: Übergang beginnt nicht mit dem Neubeginn, sondern mit dem Ende des Alten. Erst wenn eine alte Form wirklich endet, entsteht jener Zwischenraum, in dem noch keine neue Ordnung da ist, aber die alte auch nicht mehr glaubwürdig fortgesetzt werden kann.
Denn wie kommt eigentlich das Neue in die Welt? Sicherlich nicht durch noch mehr Bemühung um das Alte, sondern durch den Moment, in dem wir aufhören, eine erschöpfte Form noch Zusammenarbeit zu nennen.
Als Sparringspartnerin in Coaching und Organisationsentwicklung unterstütze ich Entscheiderinnen und Entscheider dort, wo eine Situation nicht mehr durch bessere Kommunikation allein lösbar ist, sondern wo es darum geht, Gefühle ernst zu nehmen, Tatsachen präzise zu lesen und auch weitreichende Entscheidungen mit Klarheit und Haltung zu treffen.




